Gesund gross werden

Wasser und Hygiene in Laos

«Uns geht es viel besser als noch vor ein, zwei Jahren.» Dorfchef Bounchan Pehetsonda ist stolz, dass sein Dorf Houay Khen sauberer und gesünder ist. Houay Khen ist eines von 100 Dörfern im Norden von Laos, das dank dem Schweizerischen Roten Kreuz über sauberes Trinkwasser und Latrinen verfügt. Diesen Erfolg will das SRK auch in der südlichen Provinz Sekong erreichen.

Eine Stunde mit dem Schiff den Fluss hinunter, danach zwei Stunden zu Fuss in der sengenden Hitze: Der Weg von der nächst grösseren Ortschaft Nong Khiew nach Houay Khen führt tief ins ländliche Laos; vorbei an Tabakfeldern und Kautschukplantagen, trockenen Reisfeldern und Schmetterlingsschwärmen. Nur der Blick in die Höhe stört das ländliche Idyll: Grosse, kohlschwarze Flächen klaffen wie offene Wunden an den steilen Berghängen – Spuren der Brandrodungen, mit denen die Kleinbauern das knappe Land in unwegsamem Gebiet für die Selbstversorgung ausweiten. 

Die brachiale Methode hat in Laos Tradition. Obwohl mittlerweile bekannt ist, dass die Zerstörung des Baumbestandes zu Erosion und schliesslich zum Versiegen von Quellen führt, wird sie weiter angewendet. Denn die Bauern haben meist keine Alternative, das Überleben ihrer Familien zu sichern.

Ein Dorf wie aus alter Zeit

Bay Peteda und ihre fünfjährige Tochter nutzen die Wasserstelle neben ihrem Haus. SRK, Roland Blattner

Bay Peteda und ihre fünfjährige Tochter nutzen die Wasserstelle neben ihrem Haus. SRK, Roland Blattner

Wasser und Hygiene bilden ein Paar, das sich nicht trennen lässt. Und sie sind Voraussetzung für Gesundheit und Entwicklung.  SRK, Alfred Grimm

Wasser und Hygiene bilden ein Paar, das sich nicht trennen lässt. Und sie sind Voraussetzung für Gesundheit und Entwicklung. SRK, Alfred Grimm

In solchen Hütten befinden sich Latrinen, sie sind eine wichtige Hygienemassnahme. SRK, Roland Blattner

In solchen Hütten befinden sich Latrinen, sie sind eine wichtige Hygienemassnahme. SRK, Roland Blattner

Weit hinten im Tal liegt Houay Khen. Ein Dorf wie aus einem andern Jahrhundert: Holzhäuser auf Pfählen, meist mit Stroh oder Bambus bedeckt, ein paar gackernde Hühner und träge Hunde, die unbeeindruckt im Schatten dösen. Besuch gibt es selten in diesem abgelegenen Dorf, das auf keiner Karte zu finden ist.

Zwar gibt es noch immer keine Strasse, was für die Versorgung ein riesiges Problem darstellt, und auch auf Elektrizität müssen die Dorfbewohnerinnen und -bewohner noch lange warten. Doch das Wichtigste für den Dorfchef ist: „Unsere Kinder werden nur noch selten krank und das Dorf ist viel sauberer geworden.“

Sechs Wasserstellen und kaum Abfall

62 Häuser bilden das Dorf. Das abschüssige Gelände ist auffallend sauber. Kein Tierkot weit und breit und auch kein Abfall – schliesslich gibt es hier auch noch kaum Konsumgüter. Sechs Wasserstellen wurden innerhalb weniger Monate errichtet, ganz oben im Dorf steht das Reservoir. Beim Bau legte die ganze Dorfbevölkerung Hand an. Alle haben gepickelt und geschaufelt. Eine Wasserleitung führt von der drei Kilometer entfernten Quelle ins Dorf und versorgt die Wasserstellen mit sauberem Wasser. Endlich verfügt das Dorf über sauberes Trinkwasser und Brunnen in der Nähe der Häuser.

«Wir haben schon vor den Bauarbeiten vom Roten Kreuz erfahren, wie wichtig die Hygiene im Alltag ist und was jeder von uns dazu beitragen kann», sagt Dorfchef Bounchan Pehetsonda. Allerdings, räumt er ein, habe sich die Benutzung der Latrinen noch nicht wunschgemäss durchgesetzt und es sei gut, dass das Rote Kreuz weiterhin Sensibilisierungsarbeit leiste: «Erst rund zwei Drittel der Bewohner benutzen die Toiletten regelmässig. Manche Männer finden es nach wie vor praktischer, in den umliegenden Wäldern ihr Geschäft zu verrichten.»

Die Gesundheit der Kleinkinder

Sauberes Wasser und Hygiene bilden ein Paar, das sich nicht trennen lässt und Voraussetzungen sind für gute Gesundheit und gute Entwicklung. Wo sauberes Trinkwasser rar ist, trinken die Menschen auch Wasser schlechter Qualität, beispielsweise aus Tümpeln. Oft ist dieses mit tierischen oder menschlichen Fäkalien kontaminiert, was zu schweren Durchfall-Erkrankungen führt. Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind unter fünf Jahren an einer Durchfallerkrankung aufgrund von verschmutztem Wasser und mangelnder Hygiene. Praktisch alle diese Todesfälle ereignen sich in Entwicklungsländern.

Händewaschen mit Seife, die Benutzung von Latrinen,das Trocknen des Geschirrs an der Sonne, um Keime abzutöten, sind für die Bewohnerinnen und Bewohner von Houay Khen nun geläufige Hygiene-Massnahmen.

Neue Wassersysteme im Süden von Laos

So wie in Houay Khen und weitere über 100 Dörfer im Norden von Laos in den letzten Jahren ihre Wasserversorgung neu errichtet und Haushaltlatrinen gebaut haben, werden nun auch im Süden Dörfer sauberes Wasser erhalten. Gemeinsam mit 3000 Menschen in zehn sehr abgelegenen und nur schwer zugänglichen Dörfern in den Distrikten Dakchung, Kalum und Lamam in der Provinz Sekong baut das SRK Brunnen, Wasserleitungen und Latrinen. 

Für 30‘000 Franken erstellen wir im Dorf Dakjom ein Wassersystem, das 176 Haushalte, drei Schulen mit 413 Schülerinnen und Schülern sowie ein Gesundheitszentrum versorgt.

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