Obdachlosigkeit

„Bei Euch habe ich zum ersten Mal ein Zuhause. Ich weiss zwar nicht, was das ist, weil ich nie ein Zuhause hatte. Aber so, glaube ich, müsste es sein.“

Worte eines Menschen mittleren Alters, der seit Beginn der Saison Mitte November im Pfuusbus übernachtet. Aufgewachsen in schwer belasteten Verhältnissen – beide Elternteile tranken, die Familie zerbrach früh, lebte er seit Jugendjahren mehr oder weniger ununterbrochen auf der Strasse. Obdachlos, heimatlos, einsam, auf sich gestellt.

Obdachlosigkeit bedeutet viel mehr noch als kein Dach über dem Kopf. Obdachlosigkeit heisst mehr als Kälte, Regen und Schlafen in wechselnden Hauseingängen. Obdachlosigkeit ist mehr als Essen in der Gassenküche, Kleider aus dem Kleiderladen der SWS und betteln für eine Dusche am Bahnhof. Obdachlosigkeit bedeutet: Kein Schutz, keine Geborgenheit, kein Rückzug. Obdachlosigkeit heisst: Kein Heimkommen, Niemand der wartet, Keiner, der fragt, wie’s geht.

Obdachlosigkeit bedeutet: Ich weiss nicht, was ein Zuhause ist.

Obdachlosigkeit bedeutet weitgehende Isolation, Abgeschnitten sein von der Möglichkeit, elementare menschliche Bedürfnisse wie Gemeinschaft, Beziehung, Menschenwürde zu erleben und zu praktizieren. Eine breit angelegte Studie der Stadt Zürich hat im Jahr 2013 den engen Zusammenhang zwischen Obdachlosigkeit und psychischen Erkrankungen nachgewiesen: Wer obdachlos ist, vereinsamt und ist stark gefährdet, psychisch und seelisch zu erkranken.

Der Pfuusbus bietet obdachlosen Menschen einen Schlafplatz, eine Tischgemeinschaft, Schutz. Der Pfuusbus ist aber mehr als eine reine Notschlafstelle. Der Pfuusbus ist für obdachlose Menschen ein Zuhause auf Zeit: Gemeinschaft, Geborgenheit, Rückzug. Der Pfuusbus bietet obdachlosen Menschen ein Gegenüber, das fragt: ein Heimkommen. Und er lebt davon, dass sich die Bewohner in ihr Zuhause auf Zeit einbringen: Dass sie mithelfen bei der Einrichtung, bei der Hygiene, beim Putzen, beim Einhalten der Hausregeln, die für ein gutes Zusammenleben wichtig sind. Dadurch lernen die von Vereinsamung und Verwahrlosung bedrohten Menschen sich selber neu kennen und schätzen. Sie sehen neue Chancen. Und deshalb sind Erfahrungen wie diese für uns und vor allem für die Bewohner so wertvoll:

„Bei Euch habe ich zum ersten Mal ein Zuhause. Ich weiss zwar nicht, was das ist, weil ich nie ein Zuhause hatte. Aber so, glaube ich, müsste es sein.“

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Neuer Pfuusbus

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